Was ist Gleichgültigkeit? Zwei zentrale Bedeutungen
Gleichgültigkeit ist vielschichtiger als bloße Teilnahmslosigkeit. Das Gespräch unterscheidet zwei Hauptformen:
- Emotionale Gleichgültigkeit: Eine Person empfindet keinerlei Regung oder Betroffenheit, selbst wenn sie sich mit einem Thema auseinandersetzt. Es ist ihr „einfach egal“.
- Strategische Gleichgültigkeit: Eine Person entscheidet sich bewusst, ihre Aufmerksamkeit nicht auf ein bestimmtes Thema zu richten. Würde sie es tun, wäre es ihr vielleicht nicht egal, aber sie blendet es aus.
Diese Unterscheidung ist zentral, denn sie zeigt: Gleichgültigkeit ist nicht immer ein passiver Zustand, sondern kann eine aktive, wenn auch oft unbewusste, Entscheidung sein.
Ist Gleichgültigkeit unmenschlich? Moralische Perspektiven
Die moralische Bewertung von Gleichgültigkeit wird kontrovers diskutiert. Ein Zitat von George Bernard Shaw bringt die negative Sicht auf den Punkt:
„Das größte Übel, das wir unseren Mitmenschen antun können, ist nicht, sie zu hassen, sondern ihnen gegenüber gleichgültig zu sein. Das ist absolute Unmenschlichkeit.“
Pro-Argumente für diese Sicht:
- Pflicht zur Anteilnahme: Nach den meisten Moraltheorien ist es unsere Pflicht, das Leid anderer Menschen nicht gleichgültig zu finden. Wer dies tut, begeht eine „besondere Form der Unmenschlichkeit“. Diese Idee lässt sich auch mit dem Konzept der [moralischen Verantwortung](How a Moral Philosophy Mistake Taught Me Ethics Lessons from a Fender Bender) verbinden, das betont, wie wichtig aktives Engagement ist.
- Echte Moralität erfordert Bewegung: Es reicht nicht, nur nicht gleichgültig zu sein. Moralität zeigt sich erst in der Handlung und im Verantwortungsgefühl für eine Situation.
Differenzierung: Ist Gleichgültigkeit immer moralisch falsch?
- Psychohygiene: In einer Zeit der Informationsflut über Missstände kann es notwendig sein, Themen auszublenden, um handlungsfähig zu bleiben. Nicht jedes Thema kann uns emotional berühren.
- Toleranz als positive Gleichgültigkeit: Toleranz kann als eine Form der Gleichgültigkeit gegenüber Verhaltensweisen oder Überzeugungen anderer verstanden werden, die man ablehnt, aber respektiert.
Die Gefahr der „Bullshit“-Kultur: Wenn die Wahrheit gleichgültig wird
Ein zentraler Punkt des Gesprächs ist das Konzept des Bullshits, geprägt vom Philosophen Harry Frankfurt.
Bullshit vs. Lüge:
- Der Lügner kennt die Wahrheit, will sie aber verheimlichen. Er spielt das Spiel der Wahrheit, nur von der falschen Seite.
- Der Bullshitter hingegen schert sich nicht um die Wahrheit. Er ist ihr gegenüber völlig gleichgültig. Sein Ziel ist es nicht, zu täuschen oder die Wahrheit zu sagen, sondern einen anderen Zweck zu verfolgen (z.B. sich aus einer sozialen Situation zu retten, eine Agenda zu pushen).
Beispiele für Bullshit:
- Werbeaussagen wie „von Zahnärzten empfohlen“.
- Äußerungen von Politikern wie Donald Trump oder Wladimir Putin, die Fakten verdrehen oder erfinden, um ihre Wählerschaft zu bedienen und die politische Sphäre normativ zu „verdünnen“.
Die Gefahr liegt in der Normalisierung dieser Haltung. Ein verwandtes Phänomen ist der [Populismus und die Abkehr von Fakten](Gleichgültigkeit: Bedeutung, Moral und die Gefahr von Bullshit in der Politik), der oft die Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit bewusst fördert.
Gleichgültigkeit und Verantwortung: Warum handeln wir nicht?
Ein Paradoxon unserer Zeit: Nie wussten wir so viel über das Leid anderer (Klimawandel, Kriege, Flüchtlinge), und doch bleibt das Handeln oft aus. Ist das Gleichgültigkeit?
Mögliche Erklärungen:
- Ratlosigkeit: Oft mangelt es nicht an Betroffenheit, sondern an Lösungen. Politische Systeme wirken ratlos, wie sie tiefgreifende Veränderungen demokratisch umsetzen können.
- Angst und Überforderung: Menschen haben Angst vor den sozialen oder beruflichen Konsequenzen des Eingreifens (z.B. bei Rassismus im Bekanntenkreis) oder fühlen sich schlicht überfordert („Was soll ich schon tun?“).
Fazit der Diskussion: Es ist ein Unterschied, ob etwas einem egal ist (emotionale Gleichgültigkeit) oder ob man trotz Betroffenheit nicht handelt. Letzteres kann aus Furcht oder dem Gefühl der Ohnmacht resultieren – beides sind keine Synonyme für Gleichgültigkeit im engeren Sinne, führen aber zum selben Ergebnis.
Gleichgültigkeit im Zeitalter des Individualismus
Die schwindende Bindung an kollektive Organisationen (Kirchen, Gewerkschaften, Parteien) wird als ein Faktor für eine gesteigerte Individualisierung und damit potenziell für mehr Gleichgültigkeit gesehen. Der [gesellschaftliche Zusammenhalt](KI-Investitionen und Realität: Chancen, Risiken und wirtschaftliche Perspektiven), der in kollektivistischen Kulturen (z.B. in Asien) oft stärker ausgeprägt ist, könnte ein Gegengewicht zur Gleichgültigkeit sein, da das Wohl der Gemeinschaft als eigener Wert gesehen wird.
Zusammenfassend ist Gleichgültigkeit weder nur negativ noch nur positiv. Sie ist ein menschliches Phänomen, das von strategischer Notwendigkeit bis zu moralischer Verfehlung reicht. Das größte Problem in der heutigen Zeit sieht die Diskussion jedoch nicht in der allgemeinen Teilnahmslosigkeit, sondern in einer strategischen Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit selbst – in der Kultur des Bullshits.
[Musik] herzlich willkommen raster was ist eigentlich gleichgültigkeit ist mir
alles egal oder dass gleichgültigkeit einfach nichts
na ja also ich glaube man kann verschiedene sinne von gleichgültigkeit unterscheiden also es gibt die leute
denen irgendetwas egal ist also die überhaupt keine regung empfinden wenn sie darüber sich gedanken machen
ich denke wichtiger sind von gleichgültigkeit ist aber auch wenn man sich entscheidet seine aufmerksamkeit
einfach nicht auf ein themenfeld zu richten dass er erst mal was ganz anderes
also es kann sein dass man seine aufmerksamkeit nicht auf etwas richtet aber wenn man seine aufmerksamkeit
darauf richten würde dann wäre es einem auch nicht egal man kann es denn irgendetwas in der
interaktion des lebens des seins des menschen der existenz geben wo man sagen kann ich bin ein unbeteiligter ich
übersetze mal das was sie sagen das interessiert mich nicht oder es geht mich nichts an
geht das überhaupt so ist das ein sehr gefährliches missverständnis also ob es psychologisch geht glaube ich
lässt sich leicht beantworten ich glaube das geht heute sind de facto unbeteiligt an dingen und empfinden nicht viel wenn
sie über dinge nachdenken oder blenden sie eben aus ob das auch in ordnung ist das hängt glaube ich sehr stark davon ab
was der gegenstand der gleichzeitig nimmt es wahr moral politisch wenn man in dieser gesellschaft in dieser welt
ist könnte man ja sagen also ob man solche oder andere menschen schläge geistige brandstiftung macht wie sie es
eben formuliert haben das beschäftigt mich erst gar nicht ist das eine exploration die wir mit welcher auch
betrachtung diskutieren müssen ich würde denken dass es in einer zeit wie unsere wo wir ja viel mehr
mitbekommen von der welt also durch das internet einfach sehr sehr viel information jeden tag bekommen auch über
missstände ein stückweit psychohygiene geboten es nicht zu jedem thema unterstützung zu empfinden
aber natürlich ist es charakterlich zunächst mal eine eine tugend bewegbar zu sein und im angesicht von von
missständen auch etwas zu empfinden george bernard shaw sagt ich zitiere mal das größte übel dass wir unseren
mitmenschen antun können ist nicht sie zu hassen sonne ihm gegenüber gleichgültig zu sein
das ist absolute unmenschlichkeit hat er recht ich glaube ja ich würde denken das ist eine besondere form der
unmenschlichkeit also hast sicherlich auch relativ weit auf dem spektrum der abscheulichkeiten aber gleichgültigkeit
hat ja etwas and menschlichen dass also das ist unsere pflicht nach allen moral theorien das leid anderer menschen nicht
gleichgültig zu finden insofern würde ich denken ja also jemand der ganz und gar gleichgültig ist
gegenüber anderen menschen und deren lebenssituationen der begeht eine bestimmte besonders schwere der
unmenschlichkeit noch nie haben wir so viel voneinander gewusst noch nie wussten wir wie es
menschen gut oder schlecht besser oder schlechter geht auch gerade jetzt in der korona krise erleben wir dass wir haben
das aber auch erlebt als flüchtlinge nach deutschland oder in die welt gegangen sind und trotzdem hat man die
wahrnehmung auch wenn man die digitale realität hineingeht das obwohl einerseits dieses wissen gestiegen ist
andererseits die gleichgültigkeit direkt proportional stimmt dieser eindruck und wenn ja warum
ich bin nicht so sicher ob ich diesen andere teile also jedenfalls nicht durch die bank weil wir erleben ja auch so
empörung diskurse die ganze zeit und die sind ja schon ausdruck davon dass leute nicht gleichgültig sind
ich würde denken das ist nicht unbedingt was wir uns wünschen sollten dass wir diese entführungs diskurse haben und für
echte moralität ist mehr nötig als bloß nicht gleichgültig zu sein und sich zu empören beispielsweise aber ich empfinde
eigentlich unsere zeit nicht als eine die durch besondere gleichgültigkeit geprägt ist sondern eine die ja auch
durch sehr starke moralische regungen geprägt ist die sich beispielsweise in den sozialen medien sehr stark bahn
brechen also das ist ja auch eine kritik die man oft hört dass es dass wir in einem realistischen zeitalter leben oder
sowas und da zeigt sich ja auch wenn das vielleicht gewisse probleme zeigt zeigt
sich ja dennoch dass menschen sehr stark empfindsam sind man kann sagen vielleicht zu empfindsam das ist ja auch
so ein debatten strang den den man immer wieder so auf wabern sieht man kann aber auch gleichzeitig diskutieren noch nie
waren wir so mitfühlend was ist eigentlich das gegenteil von gerechtigkeit
er ist eine sehr gute frage also was ist das gegen na ja also wenn gleichgültigkeit wenn wir das jetzt so
verstehen dass gleichgültigkeit so eine haltung ist dass sich nicht interessieren
für etwas dann ist interesse vielleicht das gegenteil von gleichgültig manchmal ein bisschen weiter denken ein bisschen
besser also ist das ist gut können wir es noch besser ist das wirklich das gegenteil von gleichgültigkeit interesse
haben naja also ein bisschen mehr wäre vielleicht sich moralisch bewegt fühlen
von etwas also sich sich verantwortlich fühlen vielleicht sogar für einen für eine situation oder für einen menschen
also das gefühl zu haben dass das was geschieht mit einem selbst zu tun hat und man dort in irgendeiner weise
gefordert sich einzubringen oder so aber ich bin mir nicht ganz sicher ob gleichgültigkeit überhaupt so ein klares
gegenstück hat also gleichgültigkeit das gegen dazu wäre ja vielleicht zunächst mal
dass einem etwas nicht vollends egal ist aber das ist natürlich eine sehr sehr schwaches sehr schwache begriff ja sogar
schon wie wir es vollends nicht pollin signal aber vielleicht können wir uns auf eine andere perspektive dem nähern
moral nimmt hier eine unterscheidung vor zwischen unmoralisch moralisch richtig gut und böse kann ein gleichgültige
mensch moralisch sein ja also es kommt jetzt glaube ich sehr stark auf die moral theorie an die man
da hat und ich bin ja keine ethikerin aber wenn man jetzt so sehr konsequent allis tisch erst mal denkt also dass es
bei moralischen handelns in erster linie darum geht das zu tun was beispielsweise das glück in der welt vermehrt und das
leid verringert dann kann sich jemand natürlich schon moralisch verhalten auch wenn er sich nicht ernsthaft für die für
die moralisch relevanten merkmale einer situation interessiert es kann sein dass jemandem eigentlich
das wohlergehen anderer leute egal ist aber trotzdem diese person beispielsweise weil sie nach anerkennung
strebt oder so sich dann eben sozial konform also so wie es moralisch eigentlich gefordert wäre verhält oder
so aber darauf wollen sie ja nicht hinaus wahrscheinlich darauf hinaus dass eine echte moralische moralität
irgendwie auch was mit tugendhaftigkeit oder so zu tun hat oder vielleicht einfach damit dass man eben auf die
moralisch relevanten merkmale auch tatsächlich reagiert und dafür ist natürlich schon erstmal eine
voraussetzung dass man diese moralisch relevanten merkmale zur kenntnis nimmt und um ihrer selbst willen dann sich
gefordert fühlt da in einer weise darauf zu reagieren und was meine ich mit moralisch relevanten merkmalen naja eben
einfach dass beispielsweise jemand leidet das sollte dann dasjenige sein was mich
motiviert zu handeln beispielsweise als moralischer mensch und um diese bedingung zu erfüllen muss ich natürlich
dieses leid erst mal zur kenntnis nehmen und ihm gegenüber nicht gleichgültig sein das führt mich
zu richard dawkins der evolutionsbiologe der gesagt hat das universum dass wir beobachten hat genau die eigenschaften
mit denen man rechnet wenn dahinter kein plan keine absicht kann gut kein böse steht nichts außer blinder
erbarmungslose gleichgültigkeit wer wie ein teil des universums sind sind wir an sich gleichgültig ob wir dem universum
gleichgültig sind wir weil wir ein teil des universums sind und die beschreibung des universums so ist eigentlich ist im
universum auch völlig egal und gleichgültig was mit uns ist bei dem universum eigentlich alles gleichgültig
ist ob wir als bestandteil des universums a priori als menschen eher gleichgültig gewesen sind ich würde
sagen nein also ich würde sagen wir als menschen sind eben die instanz die in einem eigentlich gleichgültigen
universum dem würde ich mich nämlich anschließend die instanz stellen die eben diese gleichgültigkeit durchbricht
ja also weil wir eben moralisch denken können also wir können eben gut von schlecht unterscheiden wir können mit
gefühl haben und diese eigenschaften bringen wir eben als menschen mit so dass ich sagen würde wir sind da in
gewisser weise auf bestimmten ebenen eine ausnahme in diesem gleichgültigen universum aber das ist insofern spannend
weil wenn wir uns darauf einigen können dass das universum in gleichgültigkeit ist wenn wir so einen gedanken
fortsetzen und der germanist manfred geyer setzt das fort und sagt das phänomen der objektiven gleichgültigkeit
der welt gehört zu den fundamentalen erfahrungen des menschen also wir müssen ja die zutiefst gekränkt sein dass
dieses universum völlig gleichgültig gegenüber diesen wunderbaren menschen ist kann das sein dass der mensch mit
dieser kränkung nicht umgehen also es ist zumindest nur ziemliche herausforderung mit dieser krieg
umzugehen und es ist ja auch nicht so dass alle menschen diese erfahrung tatsächlich machen also oder zustimmen
würden dass sie das universum als gleichgültig erleben es gibt ja nach wie vor religiöse menschen es gibt
spirituelle menschen die eben das universum und auch die natur nicht als gleichgültig erleben und schon unsere
unsere grundannahme hier jetzt gar nicht teilen würden und dann gibt es natürlich die menschen
die das universum als gleichgültig erleben und die stehen daneben vor der herausforderung sich damit in
irgendeiner weise auseinanderzusetzen und auch da gibt es dann eher wieder unterschiedliche möglichkeiten das zu
tun also die existenzialistische philosophie beispielsweise setzt ja genau da an und sagte ja und da beginnt
unsere freiheit jetzt wählen wir uns selbst hier gibt es los und die aufklärung ist auch eine möglichkeit des
denkens gewesen wir sprechen vom autonom selbstbestimmten subjekt dessen schicksal nicht mehr im universum oder
bei gott abgelegt ist hat diese entwicklung dieses denn bei menschen das gefühl der eigenen gleichgültigkeit aber
auch das gleichgültig sein dürfen scannens gestärkt oder geschwächt das weiß ich nicht also ich würde denken
dass wir ich hab's ja eben schon mal gesagt uns eigentlich nicht in einem zeitalter besonderer gleichgültigkeit
befinden und ich würde denken dass sein würde ich ganz gern weil sie es ja sagen einfach
eine gegen tsv in dieser welt in der wir uns befinden sterben hunderte millionen menschen an hunger an not kinder sterben
weil sie nicht zu essen zu trinken haben das muss jetzt nicht gar tausende kilometer von uns entfernt seien soziale
ungerechtigkeiten sind alltag diskriminierungs tatbestände sind alltag diktaturen sind alltag und dann höre ich
jetzt von ihnen noch mal formuliert hey wir leben haben jahrhundert wo die gleichgültigkeit geringer geworden ist
also einfach aus dialektische streit los nein da wir jetzt mehr davon wissen da wir nicht uns
allerdings sind durch nichtwissen könnte man ja sagen es ist den leuten gleichgültig weil die handlungen und
reaktionen sind unterkomplex bruder ja ich würde da zustimmen also ich glaube dass ist genau also die die synthese
aufstehen unsere unserem unserer gegenrede hier ist eigentlich der der springende punkt wir befinden uns in
einem zeitalter in dem menschen sie sich sehr stark bewegt fühlen einerseits aber diese gefühle der bewegtheit vielleicht
nicht unbedingt immer in ihrer also sich an den einschlägig ssten missständen zeigen also es gibt wie sie gesagt haben
in jedem verhungern die menschen wir haben im flüchtlinge mehr ertrinkender flüchtlinge und dergleichen mehr
und der mann nimmt eine gewisse empörung darüber war aber diese empörung ist jetzt auch nicht unbedingt führt jetzt
auch nicht unbedingt dazu dass da besonders stark eingegriffen wird oder eine besondere behandlung handlungs
wille sich zeigt also wir haben in gewisser weise also viel gratis mut wie man manchmal sagt es ist halt leicht
sich zu empören über alles mögliche wenn daraus nichts wirklich folgt dann ist das noch nicht mal die halbe miete
also ich würde denken wir haben tatsächlich eine moralisch ansprechbarkeit beim menschen
ich weiß nicht ob in höherem maße als früher aber auch jetzt vielleicht nicht unbedingt in geringerem maße als früher
aber wir haben auf jeden fall keine besonders erhöhte moralische engagiert hat vielleicht es gibt menschen die
sagen würden das ist mir nicht gleichgültig was bei meinen nachbarn meiner nachbarin passiert und das ganze
mal jetzt räumlich zu uns zu suchen ich weiß dass da ein kind geschlagen wird ich weiß dass da der vater unter
umständen die tochter missbraucht das ist mir nicht gleichgültig aber ich tue nichts was ist das gleichgültig
in vielen fällen also in manchen fällen vielleicht über forderungen also vielleicht das gefühl man man weiß nicht
recht wie man handeln soll das kann ja sehr lähmend seien in einigen fällen muss man aber
wahrscheinlich sagen ja am ende ist dazu viel gleichgültigkeit also wenn die handlungsoptionen eigentlich relativ
klar auf der hand liegen also beispielsweise beobachtet man dass ein kind in einem gewalttätigen haushalt
aufwächst da ist es ja jetzt nicht so schwer rauszufinden was da die richtigen schritte sind also leute die da
behaupten nicht gleichgültig zu sein aber gleichzeitig keinerlei handlungsimpulse verspüren oder erkennen
lassen die geben da vielleicht auch einfach eine falsche selbstauskunft wenn es ist
ein spiel ich gerne mit ihnen ein bisschen verfolgen weil hier die ex culpa zions mechanismen ja so wichtig
sind also moralisch würden menschen dann sagen mir ist es nicht gleichgültig wenn man rassistische kommentare an der
arbeit oder im verein oder selbst in der familie macht wenn ich dabei bin hat mir nicht gleichgültig und sie halt trotzdem
die klappe da gibt's ja nur nicht nur es gibt mehrere möglichkeiten damit umzugehen
was zu interpretieren die eine ist die leute haben angst was zu sagen die andere ist sie sie sind nicht
ängstlich aber sie denken sich die investitionen der aussage ist zu hoch es lohnt sich nicht sich zu streiten komme
aber auf diesen begriff der gleichgültigkeit trotzdem in unserem zusammenhang nochmal zurück wenn wir
etwas nicht gleichgültig ist also wenn ich engagiert bin wenn ich ein ein bedürfnis empfinde kann man dann mit
diesem nicht handeln wirklich über die runden kommen oder müssen wir nicht diesen gleichgültigkeit begriff nochmal
sehr straffen und sagen irgendwann gibt es entweder eine handlung oder es ist diesen menschen nicht wichtig genug
bis hin zur gleichgültigkeit ja also bei dem letzten punkt würde ich mit gehen also nicht wichtig genug
ich würde das dann nicht unbedingt ich also ich weiß nicht ob ich zielführend findet dann zu sagen
also sind die leute doch gleichgültig denn ich denke schon dass es begrifflich erstmal durchaus möglich ist bewegt zu
sein von etwas aber dann wie sich beschrieben haben aufgrund von angst oder unsicherheit oder ähnlichem
harmonie bedürfnis ist nicht zu schaffen oder sich nicht überwinden zu können dem auch tatsächlich ausdruck zu
verleihen und diesen konflikt können wir ja gar nicht mehr beschreiben wenn wir von vornherein sagen ja wir können an
der handlung dann ablesen ob die person gleich gültig ist oder nicht ich würde schon sagen wir wir können
also wir sollten den fall weiterhin so beschreiben dass da jemandem etwas nicht egal ist
aber die person eben trotzdem ist vorzieht wenn man zu sagen will es nicht aus diesen gründen heraus daneben das
richtige zu tun sondern aus gründen die wir vielleicht problematisch finden zurückhaltung zu üben versuche ich den
begriff nochmal anders zu nähren gleichgültigkeit ist ja in der regel negativ kommentiert kann
gleichgültigkeit im sinne eines neutralen überparteilichen emotional nicht in regulierten blicks auch etwas
nützliches etwas positives haben ja also ich denke es gibt phänomene die sich beschreiben lassen auch unter rückgriff
auf den begriff der gleichgültigkeit die wir erstmal positiv bewerten würden also beispielsweise toleranz also was ist
toleranz gibt es jetzt verschiedene definitionen aber man könnte sagen na ja das ist irgendwie eine eine form von
gleichgültigkeit gegenüber der tatsache dass andere menschen sich in einer weise verhalten die mir jetzt nicht so ganz
liegt oder die ich sogar moralische stückweit problematisch ende oder so was also sich in toleranz
zu üben kann man ja beschreiben als 1 1 sich in gleichgültigkeit üben toleranz so scheint mir zunächst mal was gutes zu
sein auch etwas im übrigen von dem ich denke dass wir davon tatsächlich ein bisschen mehr gebrauchen kann
gleichgültigkeit könnte der unter umständen uns etwas helfen wenn es ein bisschen auseinander ziehen und sagen
gleichgültigkeit können wir damit was anfangen ja genau also gleichgültigkeit als
urteil sozusagen also man kann ja auch sich dem ganzen erkenntnisse theoretisch zum beispiel nähern und sagen wir
sollten gleich es also wenn etwas gleichgültig ist also gleichgültigkeit hat dann auch beispielsweise uns des
urteils enthalten also wenn wir zum beispiel zwei behauptungen haben und die sind gleichgültig in ihrer und
in ihrer beleg lage sagen wir mal wir haben für das eine genauso gute gründe für das andere dann sollten wir uns in
gleichgültigkeit üben in dem sinne dass wir uns des urteils enthalten also gleichgültiges also dinge von
gleichgültigkeit auch mit einer [Musik] defensiven haltung sozusagen in der
urteilsbildung beispielsweise oder in der moralischen beurteilung dem zu begegnen dass es scheint zunächst mal
eine tugend zu sein denken wir doch mal weiter weil sie das mit der begründbar kite angesprochen
haben über wahrheit und gleichgültigkeit sie sagen ich zitiere verlegt der sagt unwahres dann nehmen sie einen anderen
begriff der bullshit dem ist die wahrheit gleichgültig was meinen sie ja also das habe ich mir nicht
ausgedacht sondern herrig frankfurt der so einen kleinen band auf deutsch also als kleines büchlein achtzigern jahr 90
80 er jahren genau dass wir diese begriff beschützt von ihm geprägt genau und das büchlein heißt bullshit und da
macht er eben diese unterscheidung zwischen lügen auf der einen seite und bullshit auf der anderen
jetzt heute in der forschung ist man sich gar nicht mehr so einig ob das wirklich zwei vollkommen
unterschiedliche kategorien zu unterbrechen wir zitieren wie er es gesagt ja der
lügner und der wahrhaftige spielen das selbe spiel aus verschiedenen seiten der bullshit spielt ein völlig anderes spiel
er ist weder für die wahrheit noch gegen sie er schert sich nicht um sie schert man sich denn dann naja um die eigenen
ziele zb also bullshit also harry frankfurt sagt guck mal in der werbung sehen wir ganz viel deutsche da geht es
nicht darum leute wirklich zu täuschen in vielen fällen sondern bei einfach so was finde ich sage von zahnärzten
empfohlen oder so das wäre für harry frankfurt bullshit aber ich finde eigentlich das beste
beispiel für situationen in denen man vielleicht bullshit ist wenn man ihn sich in einer situation befindet in der
man glaubt oder dass vielleicht auch sogar so ist dass man jetzt zu irgendeiner sache eine meinung haben
muss und die auch opern muss und man hat eigentlich keine guten keine keine wirklich solide meinung in dieser sache
man hat darüber noch nie nachgedacht und beispielsweise nehmen sie an sie fragen mich jetzt war es wozu ich eigentlich
keine ahnung habe ich muss aber was sagen ich kann ja nicht einfach nichts sagen
darin können war es einfach nicht so ja vielleicht kann man da aber nun auf dem einen punkt
also wenn ich dann also was wäre dann mein ziel mein ziel ist etwas zu sagen mit dem ich davon komme mit dem ich in
dieser sozialen situation davonkomme mein ziel ist aber weder sie zu täuschen noch die wahrheit zu sagen mein ziel ist
ein ganz anderes und das ist zum beispiel so eine klassische situation wo man von bullshit sprechen würde
da sagt jemand was mit einem ganz anderen ziel als als einem das wirklich an der wahrheit oder der der täuschung
orientiert ist das ist so das ist die idee die harry frankfurter versucht aus zu buchstabieren zu ihrer frage warum
kann man denn nicht mal nichts sagen ich finde das ganz wichtig also gerade dass wir als als wissenschaftler innen auch
in interviewsituationen immer mal den mut finden tatsächlich zu sagen das übersteigt jetzt wirklich meine
expertise hier kann ich nichts nicht aus meiner expertise heraus sprechen also da wäre
ich ganz bei ihm ja man sollte man seine bilder erklären wenn wir über bus schippen im sinne auch ich will es noch
mal sagen der bursche spielt ein anderes spiel er ist weder für die wahrheit noch gegen
sie erschwert sich nicht mehr wie können sie mir eine antwort geben ob der populismus etwas mit der
gleichgültigkeit des populisten zu tun hat obwohl er von einem jedenfalls nach außen dargestellten großen
gleichgültigen spielt ist das im sinne bullshit trumps und co also ich würde schon sagen
dass da eine verbindung besteht weil natürlich also der populismus hat ja kein besonderes interesse an einem
evidenzbasierten rationalen diskurs es geht ja letztlich und darum eine bestimmte agenda auch zu setzen und in
dem maße in dem das gilt ist man natürlich schon mit einem fuß im bereich des boule settings und die großen
bullshit die wir kennen gelernt haben in letzter zeit sind ja so leute wie trump beispielsweise die irgendetwas sagen
irgendetwas behaupten ohne sich dabei darum zu kümmern ob das wahr ist oder falsch unter sondern damit ganz andere
ziele verfolgen also das ist ein ganz ganz klarer fall welchen ebenen ist ihnen das
gleichgültig diesen trumps also wahrheit fakten die leute die das betrifft gibt es irgendetwas bei diesen bullshit an
was ihnen nicht gleichgültig ist naja ihre anderen ziele also beispielsweise jetzt in der interview
situation die ich eben genannt habe ob sie sich zufrieden geben mit meiner antwort
das wäre mir dann nicht egal ich hoffe dann in einer weise zu antworten die dazu führt dass sie ab lassen aber und
bei trump natürlich den sind ganz viele sachen nicht egal also dem ist zum beispiel überhaupt nicht egal ob er
seine wählerschaft hinter sich hat beispielsweise das heißt es gibt schon maßstäbe dafür
wann eine äußerung oder eine behauptung gelungen ist nämlich dann wenn sie diese ziele befördert also das sind nicht
menschen denen alles egal ist aber das sind halt menschen die denen der der wert der wahrheit einfach kein wert ist
und das wäre jetzt sozusagen vielleicht kann man da noch unterscheiden zwischen jemandem der einfach seinem charakter
nach ein bullshit ist weil er grundsätzlich der wahrheit keinen wert beimisst und jemandem der in einer
bestimmten situation sich verleiten lässt so bullshit das würde ich nochmal unterscheiden sie
sie sagen ich zitiere noch mal was sie da geschrieben haben durch den offenen einsatz von fake links weil wir jetzt
gerade auch über trump sprachen aber nicht nur bei ihm normalisieren akteure wie die fdp tun oder tram
verhaltensweisen die gleichgültigkeit oder sogar verachtung für wahrheit und wahrhaftigkeit ausdrücken
schreiben sie diese gefahr naja also [Musik] wenn wir uns also ich würde sagen
wodurch sich bullshit eigentlich auszeichnet ist eine gleichgültigkeit gegenüber den normen die unsere
behauptung praxis regulieren das ist jetzt sehr technisch aber ich stelle mir das so vor
es gibt einfach wenn wir eine behauptung aufstellen dann gibt es einfach bestimmte regeln denen wir uns
unterwerfen sollten nämlich wir sollten uns an der beleg lage orientieren beispielsweise wir sollten nichts sagen
wofür wir keine guten gründe haben und in unterschiedlichen sozialen kontexten variiert es vielleicht welche dieser
regeln jetzt gerade gelten also manchmal muss man vielleicht besonders gute belege haben um berechtigt zu sein etwas
zu behaupten beispielsweise im wissenschaftlichen kontext oder so und mit normen oder ich habe eben regeln
gesagt man würde eigentlich von norman reden mit norman ist es eben so dass die aufweichen können also wenn die
wiederholt und von machtvollen akteuren sichtbar verletzt werden dann können sich solche normen eben auch
verschieben also die sind nicht unabhängig davon ob die leute diese normen auch tatsächlich befolgen und was
man aus meiner sicht beobachten konnte auch jetzt also insbesondere im zusammenhang mit franck oder auch mit
putin ist dass diese die also dass da der versuch unternommen wird auch wenn die das natürlich so vielleicht nicht
konzentrieren würden aber der versuch letztlich unternommen wird die politische sphäre normativ zu verdünnen
in dem sinne dass es eben doch als okay gilt dinge zu sagen die sich nicht an der wahrheit orientieren für die man
nicht so gute belege hat und das würde ich sagen ist eine gefahr die wir da tatsächlich beobachten können
und der ist entgegen zu könnte jetzt wiederum im gegenreden versuchen zu sagen gerade in den letzten jahrzehnten
und wenn man die geschichte des bewusstseins von menschen setzt sich eine these port die sagt wahrheit ist
eine subjektive konstruktion ja so wie sie das sagen es gibt ganz bestimmte regeln überprüfungsregeln aber
letztendlich ist keine diese regeln wiederum etwas anderes als eine konstruktion wenn man diesen standpunkt
hat ohne dass man deswegen wissenschafts leugner ist wie lässt sich gegen verbreiter von diesem standpunkt
argumentieren es gibt eine wahrheit es ist nicht so als ob es gleichgültig ist was gerade
als wahrheit im bewusstsein vorhanden ist ja also ich würde schon bei der bei der
grundannahme nicht mitgehen das war halt eine konstruktion ist also und ich finde diese these auch erstmal sehr schwer
überhaupt zu verstehen also was das überhaupt heißen soll dass war hätte eine konstruktion ist also das scheint
mir wirklich ein also ein ganz wichtiges thema zu sein auch im zusammenhang mit
gleichgültigkeit weil mir scheint dass gerade das was wir da jetzt beobachten also im bereich von
rechtspopulismus ich ja auch dieser gedanken figur bedient das ist sozusagen meine wahrheit deine wahrheit gibt
alternative fakten das ist ja genau diese idee und mir scheint dass wir da dass wir da entschieden uns gegen
positionieren sollten und zwar schon ganz grundlegend wenn es um den begriff selbst geht also es gibt ja ein ganz
einfaches und vielleicht vielen leuten nicht tief genug erscheinen das war heiss verständnis nämlich war ist eine
behauptung genau dann wenn das was sie behauptet auch tatsächlich der fall ist draußen passieren irgendwelche dinge wir
wissen nicht immer was da passiert beispielsweise wenn ich jetzt sage vor dem studio sitzt pudel dann ist das
entweder wahr oder falsch je nachdem ob der da sitzt oder nicht auch wenn sie und ich jetzt gerade nicht überprüfen
können ob da ein pudel sitzt oder nicht weil wir sehen dass jemand diskutiert von diesen ganzen wissenschaftlicher der
mir gesagt hat die schwerkraft ist eine erfindung der juden der welt herrschte ja nicht gesagt haben die schwerkraft
ist eine wahrheit eine realität und irgendwann so nach einer halben stunde wissen sie was wir machen jetzt ein
experiment sie sagen keine schwerkraft sie stücke sie im zehnten stock zahlen aus dem balkon runter ich nicht mal für
alle fälle das treppenhaus und wenn wir uns dann unten wiedersehen dann diskutieren wir wieder wie die
schwerkraft das ist aber relativ hilflos weil der dialogpartner dann nicht mehr da sein wenn ja kann man denn mit
menschen streiten und deswegen dieses beispiel den wahrheit fakten und tatsachen gleichgültig ist sehr schwer
also weil ja streit also guter streit streit mit hilfe von argumenten ist na also das heißt dass das heißt einfach
dass man gründe anführt für das was man behauptet also ein argument ist ganz grob gesprochen eine behauptung für die
auch eine begründung mitgeliefert wird und so eine begründung besteht ja ihrerseits wieder aus annahmen also wenn
ich dafür argumentiere dass dann fülle von studio sitzt und ich will ich will ein argument dafür bringen dann
muss ich ja irgendetwas anderes anführen irgendeine andere behauptung so was wie ich hab dann eben gesehen oder und
argumente funktionieren eben immer nur solange man annahm findet also prämissen die das gegenüber auch bereit ist zu
akzeptieren und wenn das gegenüber ganz grundsätzlich gleichgültig ist gegenüber
der frage was stimmt was der fall ist dann ist es auch schwierig irgendwelche annahmen zu finden auf deren basis man
dann überhaupt den vernünftigen streit entwickelt habe wie lernen doch gerade in diesem europa aber nicht nur hier wie
sehr es denn doch möglich ist das zum beispiel millionen hunderte millionen menschen die über den glauben ihre
begründungen ihre argumente herleiten und menschen die im wissen sich befinden es muss ja nicht nur religionen sein
wenn man sagt ich glaube dass es da eine interaktion und einen dialog geben kann ist das ein schein dialog ein friedens
dialog ein pseudo diallo wie kann jemand der über glauben und jemand der über wissen spricht überhaupt eine brücke
finden die dialogisch ist und er ist auch das gleichgültig letztendlich weil diese dialoge additive monologes sie
meinen also wer sind die beteiligten leute die sagen ich glaube die welt ist so wie sie ist so steht es in einem
religionsbuch so steht es in irgendeinem was auch immer und leute ich sagen wir können nicht über glauben diskutieren
wir müssen wir wissen ok und das sind ja milliarden mit milliarden es sind ja nicht nur einzelne fälle in denen so
etwas stattfindet und es gibt ein spannungsfeld das wissen wir auch aber wenn wir jetzt von der radikalisierung
weg gehen wo ist der weg der transmissionsriemen zwischen glauben und wissen und ab wann ist es dann eben
nicht mehr gleichgültig ob es ein glaubenssatz ist oder ein wissens sagte naja also die leute die da die jetzt
einen beispielsweise religiösen glauben haben die würden ja auch geltend machen dass das eine form von wissen ist ne
also jetzt eben auch religiöses wissen geben kann dass sich beispielsweise auf also das kann sogar evidenzbasiert
vertreten werden wenn man sagt naja ich hab halt ich habe tatsächlich religiöse erfahrungen und die auf grundlage dieser
erfahrungen habe ich auch wissen über die existenz gottes oder so was beispielsweise also ich glaube ich würde
da gar nicht so sehr diesen kontrast machen zwischen glauben und wissen sondern ich würde unterscheiden zwischen
begründeten überzeugungen die die dann nur wissen sein können wenn die begründung auch eine gute ist und
überzeugungen die eben nicht in dieser weise begründet sind also linde überzeugung beispielsweise oder
dogmatisch überzeugung also überzeugungen die nicht sich jemand gebildet hat auf der grundlage von von
evidenzen sondern auf grundlage von tradition erziehung oder eben auf der grundlage von einzel erfahrungen die
sich auch anders gut erklären lassen viele menschen kompensieren ihre gleichgültigkeit indem sie in gruppen
unterwegs sind die zugehörigkeit zur kollektiven ob kirchen gewerkschaften ich bin wissenschaftlerin partei nimmt
aber seit jahren ab was macht das mit den menschen im verhältnis zu gleichgültigkeit ist die re
individualisierung eine chance wurde war das kollektive der motor den einzeln mit treibt ja also gleichgültigkeit
gegenüber anderen ist ja wahrscheinlich schon ein eine art individualisierungs prozesse
auch zu beschreiben also wenn man sich jetzt beispielsweise anschaut wie wie die der umgang mit mit der korona
pandemie in asiatischen ländern vonstatten wird also auch in demokratischen asiatischen ländern und
wieder in deutschland vonstatten geht dann und in anderen westlichen demokratien dann muss man ja schon sagen
dass maßnahmen die hier nicht akzeptiert würden dort eben schon akzeptiert werden weil wahrscheinlich ich hoffe ich das
jetzt nicht ein reines klischee der wert der gemeinschaft eben höher ist in diesen gesellschaften also
beispielsweise man bereit ist sich sich sehr konsequent in quarantäne zu begeben was für einen selbst jetzt schon nicht
mal nachteil ist man würde lieber frei herumlaufen weil man sich sehr bewusst ist dass man dadurch eben an wichtigen
beitrag zur gesundheit der gesamtgesellschaft beiträgt und diese diese form von einsatz für die
gemeinschaft ist ja jetzt bei uns nicht unbedingt jedem so ganz natürlich und ich würde das
schon als eine form von gleichgültigkeit beschreiben ja es gibt menschen die sagen und es gibt kulturen weil sie
gerade von unterschiedlichen teilen der welt sprechen wo man sagen würde das geht dich nichts an oder der menschen
sagt das geht mich nichts an dass sein übergriffig wo also die gleichgültigkeit wie wir sie behandeln zu einem
kulturellen positiven asset diskutiert wird nach dem motto es ist kein zeichen von
gleichgültigkeit dass ich mich unbeteiligten beteilige sondern es ist ein zeichen des respektes
ist damit ringt etwas anzufangen na ja also ich glaube das schließt ja wieder auch ein bisschen an dieses
toleranz thema an also eine form von abstand gibt es irgendetwas in meinem leben was mich nichts angeht im leben
einer anderen person der anderen ja und die welt in der ich bin ja würde ich sagen also alles was diese person tut
was nicht in irgendeiner weise schaden für andere hervorrufen kann würde ich sagen ist jetzt default mäßig erstmal
noch my business dass irgendetwas in meinem leben passiert wo ich jedenfalls annehmen ist wie geschaffen für andere
personen hervorrufen was mich nichts angeht wo ich gleichgültig bleiben da ja würde ich auch sagen also vielleicht wir
als gesellschaft dürfen dann nicht gleichgültig sein aber einzelne dürfen das eben innerhalb bestimmter grenzen
schulen also das schließt auch wieder an diesen punkt vom anfang an dass wir uns ja als einzelne nicht in jeder sache und
sei sie noch so berechtigterweise bedenklich engagieren können also wir können uns vielleicht moralisch bewegen
lassen davon dann wäre das schon viel wert aber wir müssen ja bestimmte bereiche ausblenden
die wir nicht die uns nicht erschüttern dann würde ich gerne einige bereiche mal zitieren ich meine die menschheit steht
vor einigen großen desaster klima wandelt seine folgen naturkatastrophen nur mehr katastrophen kriege auf die
gefahren wird seit jahrzehnten hingewiesen aber wir tun wenig ist diese langsamkeit ein ausdruck von
gleichgültigkeit ja also ich habe er das gefühl dass das ein ausdruck von ratlosigkeit ist von demokratischen
regierungen mit blick auf die frage wie dieser wahnsinnig tief in das leben von einzelnen eingreifende wandel den wir da
eigentlich hinkriegen müssten vereinbar ist mit dem mit der aufrechterhaltung einer stabilen demokratie also das was
da aus meiner sicht vor sich geht ist das [Musik]
maßnahmen sie da jetzt eigentlich ergriffen werden müssten auf solche beharrungskräfte in der
bevölkerung stoßen würden dass es nicht so ganz einfach ist zu sehen wie politische also wie
regierungen diese maßnahmen tatsächlich umsetzen können also ich habe nicht das gefühl dass das
dahinter gleichgültigkeit steckt sondern eher eine dem demokratischen system inhärente ratlosigkeit an dieser stelle
roby gasser wie war es nicht gleichgültig dass wir gleich ganz brechen ich war auch ganz glücklich dass
sie mit mir darüber gesprochen haben und ich glaube das leben ist alles andere als die gleichgültigkeit herzliches
danke ihnen [Musik]
Gleichgültigkeit hat zwei Hauptformen: emotionale Gleichgültigkeit, bei der eine Person keinerlei Betroffenheit empfindet (es ist ihr ‚einfach egal‘), und strategische Gleichgültigkeit, bei der eine Person bewusst entscheidet, ihre Aufmerksamkeit nicht auf ein Thema zu richten, obwohl es ihr bei genauerer Betrachtung vielleicht nicht gleichgültig wäre. Diese Unterscheidung zeigt, dass Gleichgültigkeit nicht nur passiv, sondern auch eine aktive Entscheidung sein kann.
Gleichgültigkeit wird oft als unmoralisch betrachtet, da wir nach den meisten Moraltheorien zur Anteilnahme verpflichtet sind – George Bernard Shaw nannte sie sogar ‚absolute Unmenschlichkeit‘. Allerdings gibt es auch positive Aspekte: als Psychohygiene kann sie notwendig sein, um in einer Informationsflut handlungsfähig zu bleiben, und Toleranz kann als eine Form respektvoller Gleichgültigkeit gegenüber abgelehnten Verhaltensweisen verstanden werden.
Eine Lüge verheimlicht bewusst die Wahrheit, spielt aber noch das Spiel der Wahrheit – der Lügner kennt sie und versucht, sie zu verbergen. ‚Bullshit‘ hingegen, geprägt vom Philosophen Harry Frankfurt, ignoriert die Wahrheit völlig: Der ‚Bullshitter‘ ist ihr gleichgültig und verfolgt andere Ziele, wie soziale Rettung oder Agenda-Pushen, ohne Rücksicht auf Fakten. Beispiele sind irreführende Werbeaussagen oder politische Aussagen, die Fakten verdrehen.
Das Ausbleiben von Handeln trotz Wissens über Missstände (wie Klimawandel oder Kriege) ist nicht unbedingt emotionale Gleichgültigkeit, sondern kann aus Ratlosigkeit, Angst vor sozialen Konsequenzen oder Überforderung resultieren. Oft fehlt es nicht an Betroffenheit, sondern an Lösungen oder dem Gefühl eigener Wirksamkeit. Dies unterscheidet sich von echter Gleichgültigkeit, führt aber zum gleichen Ergebnis.
Der schwindende Einfluss kollektiver Organisationen wie Kirchen oder Gewerkschaften fördert Individualismus und kann Gleichgültigkeit verstärken, da der gesellschaftliche Zusammenhalt abnimmt. In kollektivistischen Kulturen, etwa in Asien, wirkt das Wohl der Gemeinschaft als Gegengewicht, da es als eigener Wert gesehen wird. Ohne solche Bindungen steigt die Gefahr, dass Menschen sich weniger für das Gemeinwohl verantwortlich fühlen.
Ja, die strategische Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheit – die Kultur des ‚Bullshits‘ – wird als das größte Problem unserer Zeit gesehen. Wenn machtvollen Akteuren erlaubt wird, Fakten zu ignorieren oder zu erfinden, verschieben sich die gesellschaftlichen Normen dafür, was als legitime Behauptung gilt. Dies kann die politische Sphäre normativ ‚verdünnen‘ und das Vertrauen in demokratische Prozesse untergraben.
Strategische Gleichgültigkeit wird in der Informationsgesellschaft zur Notwendigkeit, da wir ständig mit Leid und Missständen konfrontiert werden. Sie hilft, psychisch handlungsfähig zu bleiben, indem wir bewusst Themen ausblenden, die uns sonst überfordern würden. Allerdings birgt sie auch die Gefahr, dass wir uns zu sehr abschotten und notwendige gesellschaftliche Verantwortung vernachlässigen.
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